EIN BESUCH BEI  BARON VON FALZ-FEIN

Das russische Blatt 
Argumente+Fakten Wir besuchen einen 93 Jahre alten Mann. Sein Alter ist ihm nicht anzumerken; seine Stimme ist fest und seine blauen Augen strahlen voller Kraft. Das ist: Baron Eduard Aleksandrowitsch von Falz-Fein, nach dem Fürsten die zweitwichtigste Person in Liechtenstein.

Wichtig war für uns aber nicht der Blick auf eine Adelsgestalt. Wir sitzen einem Zeitzeugen des 1. Weltkrieges, einem Opfer der Emigration gegenüber. Für uns ist der Baron wie eine Zeitmaschine, der die vergangenen Jahrzehnte zur Gegenwart macht.

Dank seines hervorragenden Gedächtnisses fühlten wir uns auf das Anwesen der Familie Falz-Fein,

vor Beginn des 1. Weltkrieges versetzt.

Zu diesem Zeitpunkt hielt sich Zar Nikolai II. für eine Nacht im Haus der Familie Falz-Fein auf und schaukelte den 2-jährigen Eduard auf seinen Knien. Der Zar scherzte dabei: "Wachse mein Sohn und werde ein Mann!"

Den Artikel im Original lesen Nach der Revolution zog die Familie Falz-Fein in ihre Wohnung nach Petrograd, die letzte Station in Russland. Um der drohenden Erschießung durch die Rotarmisten zu entgehen, verfiel der Vater von Eduard auf eine List: Als die Soldaten die Familie holen wollten, täuschte er eine ansteckende Krankheit der Kinder vor. Er warnte die Rotarmisten, sie würden sich unheilbar anstecken. So ließen diese vorerst von ihrem Vorhaben ab.

Die Familie ging außer Landes, lediglich Eduards Großmutter verblieb in Askania Nova. Sie hatte eine Flucht aus Russland kategorisch abgelehnt. Sie vertrat die Meinung, dass sie nichts Böses getan hätte und ihr demzufolge auch nichts passieren könnte. Die Bolschewiki haben sie grausam getötet.

Auch die Erben der Bolschewiki, die Sowjetmacht unter Chrustschow wie auch unter Breschnew, ließen den Baron nicht ins Land. Sie befürchteten, dass er im Westen über den trostlosen Zustand der Anlagen in Askania Nova unter der Sowjetmacht berichten könnte. Zurück bleibt ein tiefer Hass auf die Bolschewiki.



Baron Eduard von Falz-Fein



Als er aber auf einer Pariser Auktion einen berühmten Gobelin aus einem Palast auf der Halbinsel Krim entdeckte, der offensichtlich 1919 gestohlen worden war, kaufte er ihn ungeachtet des hohen Preises und gab ihn der Sowjetunion zurück. Außerdem schenkte der Baron kürzlich sein gesamtes Archiv von unschätzbarem Wert

einschließlich aller Dokumente, Briefe und eine Vielzahl unwiederbringlicher Original-Fotografien einem russischen Museum.
Jetzt befindet sich das

 Archiv in Sankt Petersburg 

als Zeugnis seiner grenzenlosen Liebe zu Russland.
Die Emigration half dem Baron zu unterscheiden zwischen dem Land Russland und den jeweils herrschenden politischen Machthabern.

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